Konzert 9: Abschluss in Modena
Jarre beendet Sommer-Tour in Italien
Nach seinem Auftritt im vergangenen Jahr bei den "Jazz Open" in Stuttgart war Jean-Michel quasi "vom Fleck weg" für einen weiteren Auftritt bei den Jazz Open engagiert worden. Diesmal allerdings im italienischen Modena, wo der Veranstalter des Stuttgarter Festivals in diesem Jahr erstmals einen Ableger produzierte. Jarres Konzert bildete dann auch den Abschluss der "Jazz Open Modena".
Der Schauplatz, die Piazza Roma, in der Altstadt Modenas, bildete eine sehr schöne Kulisse mit dem seitlich des Platzes stehenden Palazzo Ducale. Die Bühne befand sich am linken Ende des Platzes, die Sitzreihen für die Zuschauer erstreckten sich über die Länge des Platzes, am rechten Ende befand sich dann die Tribüne mit weiteren Sitzplätzen und dem VIP-Bereich oben auf der Tribüne. Dahinter befanden sich die Catering-Zelte und die Toiletten. Eines der Cafés schräg hinter der Bühne was als Catering-Station für die Crews mit Beschlag belegt worden. Die Seitenstraßen rund um den Platz waren weitgehend abgesperrt, nur von einer Seite gelangte man auf den Platz und die dort befindlichen Cafés und Geschäfte. Dort wurde dann abends der Eingangsbereich für die Konzerte aufgebaut. Gegenüber eines Containers von Radio Monte Carlo wurde der Merchandising-Stand aufgebaut, wo man neben JazzOpen-Artikeln am Konzerttag auch Jarre-T-Shirts und -Mützen erstehen konnte.
Am Samstagnachmittag kam Jarre auf den Platz, um dort den Soundcheck vorzunehmen. Die Soundcrew war bereits seit dem Mittag dort und auch die Laser-, Licht- und Videotechniker hatten schon einiges an Vorbereitungen hinter sich. Dem Vernehmen nach machte auch Jean-Michel mit seinen nunmehr fast 78 Jahren die Hitze ziemlich zu schaffen, so dass er zwar bei Begegnungen mit Fans freundliche grüßte und "Hello" sagte, aber nur wenige Autogramme gab oder für Fotos posierte, da er dann doch schnell wieder ins Kühle wollte. Immerhin sprang, hüpfte und tanzte er bei jedem Konzert über 90 Minuten lang auf der Bühne herum und das noch mit einer langärmeligen Jacke!
Leider begann die Security noch während der Soundcheck lief, die Leute vom Platz wegzuschicken, da man damit beginnen wollte, den Eingangsbereich aufzubauen.
Der Einlass sollte eigentlich um 18:30 Uhr beginnen. Doch um 19 Uhr stand eine lange Schlange die ganze Straße entlang. Diese löste sich nach Öffnung des Eingangs aber relativ rasch auf. Wir betraten das Konzertgelände und schauten beim Merchandising-Stand vorbei. Neben "Oxymore"- und "Versailles 400"-T-Shirts gab es auch das schwarzweiße Tourshirt vom letzten Jahr, diesmal allerdings ohne Tourdaten auf dem Rücken. Außerdem gab es noch ein ganz lustiges Shirt mit bunten Robotern drauf. Dieses gab es aber nur in XL. Auch eine Mütze war zu haben, die es auch im letzten Jahr schon gegeben hatte. Wir gingen nun zum Eingang der Tribüne, um unsere Plätze zu begutachten. Die Ticketkontrolleurin war sehr gründlich und wollte von allen Personen unserer Gruppe genau die Eintrittskarten mit Reihen- und Platznummer sehen, ihr Kollege am Nachbareingang war da etwas lässiger. Anschließend besorgten wir uns noch etwas zu essen und zu trinken. Ein italienischer Fan, der mein T-Shirt von Jarres Sommertour im letzten Jahr sah, fragte, ob ich bei allen Konzerten gewesen sei. Das musste ich verneinen, aber er war dennoch beeindruckt, dass ich die Konzerte in Venedig, Pompeji und Stuttgart gesehen hatte. Als er dann noch hörte, dass wir vom deutschen Fanclub seien, war er ganz begeistert. Ob ich denn auch in La Défense gewesen sei, wollte er wissen. Da musste ich leider passen. Ich erzählte ihm aber, dass ich fünf Jahre später beim Konzert am Eiffelturm gewesen sei. Da habe er damals nicht hingedurft, erzählte er. Sein Bruder durfte fahren, aber bei ihm hätten die Eltern gesagt, er sei noch zu jung... Wir wünschten uns dann ein schönes Konzert und begaben uns wieder vor die Tribüne, wo wir noch einige deutsche Jarre-Fans trafen und ein Schwätzchen hielten.
Schließlich nahmen wir unsere Plätze ein, während es langsam dämmerte. Nachdem zunächst Werbung auf den LED-Wänden gezeigt worden war, erklang schließlich ein Auszug des Stücks "Bridge From The Future" aus den Lautsprechern. Schließlich strahlte eine Scheinwerferphalanx am vorderen Bühnenrand in den Nachthimmel und ein Countdown auf italienisch begann. Jarre erschien auf der Bühne und legte auch unmittelbar los. "The Opening" eröffnete das Konzert. Hier kam die "Live-KI" zum Einsatz: Eine Kamera filmte Jarre aus der Nähe und das Bild wurde dann live mittels KI verfremdet, so dass er mal als junger Mann oder als Roboter auf den Schirmen zu sehen war. Dazu strahlten und blitzten Scheinwerfer und Laser in die Nacht, wobei die Farbe rot dominierte. Sehr schön war, dass der Palazzo Ducale, seitlich der Konzertgeländes und auch die Gebäude hinter und seitlich der Bühne in die Lichtshow einbezogen waren und farbig angestrahlt wurden.
Jarre begrüßte das Publikum auf Englisch, während die italienische Übersetzung seiner Ansprache auf den Bildschirmen eingeblendet wurde. Er sprach davon, dass Italien immer eine große Inspirationsquelle für ihn gewesen sei und nannte einige berühmte italienische Künstler als Beispiel. Mit "Viva Modena! Viva Italia!" beendete er die Begrüßung. Weiter ging es mit "Magnetic Fields 1". Der Sound war wirklich exzellent. Laut, aber nicht zu laut, nichts was in den Ohren schmerzte, sondern wirklich klar und brilliant. Im Vorfeld hatte Jarre ja auch gesagt, dass er auf die Verbesserung des Sounds besonderes Augenmerk gelegt habe. Insgesamt war der Klang tatsächlich noch einmal verbessert gegenüber dem Vorjahr.
Weiter ging es mit "Sex In The Machine", an dessen Ende er wieder das "Waterphone" spielte und "Oxymore". Anschließend sprach Jarre darüber, dass elektronische Musik nichts mit Amerika zu tun habe, sondern in Europa, in Frankreich, Deutschland und auch in Italien geboren sei. Dabei verwies er auf das 1913 von Luigi Russolo geschriebene Manifest "The Art Of Noise", in dem dieser vorhergesagt habe, dass Musik eines Tages von Maschinen gemacht werde. Dann verglich er die Produktion elektronischer Musik wieder einmal mit dem Kochen, es sei als würde man eine Pizza machen, scherzte Jarre. Er lud nun das Publikum in seine "Küche" ein, um ihm beim "Kochen" zuzusehen. Dafür setzte er nun eine Brille mit Kamera auf. Das folgende "Oxygene 2" leitete er mit einem langen, frei improvisierten Intro ein. Zahlreiche solcher improvisierter Intros waren über das ganze Konzert verteilt zu finden - deutlich mehr als im letzten Jahr.
Jarre fragte, ob es dem Publikum gut gehe und ließ dann den Bass von "Arpegiator" wummern. Großartig war tatsächlich, wie immer wieder auch die umliegenden Gebäude durch farbige Beleuchtung in die Show einbezogen wurden. Die Scheinwerfer und Laser konnten hier dann auch ungestört hoch in den Nachthimmel strahlen. In einem Wohnhaus, dass auf Höhe der Tribüne stand, hatten sich einige Bewohner am Fenster ihren privaten Logenplatz eingerichtet.
Weiter ging es mit "Equinoxe 7". Laser und Projektionen des Livebilds von Jarre bestimmten die Szenerie. Es folgte "The Architect". Auch hier kamen viele Laser zum Einsatz. Es blitzte und blinkte, dass es eine Pracht war. Insgesamt wirkte die Show dieses Jahr "runder". Viele Kleinigkeiten waren offenbar verbessert worden, die sich aber nicht ohne weiteres für den Zuschauer greifen ließen. Sicherlich war auch an der Licht- und Lasershow "nachjustiert" worden.
Fast nahtlos ging es weiter mit "Zoolookologie". Was tatsächlich auffiel war, dass die Show sehr gestrafft war. Es gab nur sehr, sehr kurze Pausen zwischen den einzelnen Stücken (von Jarres Ansprachen mal abgesehen). Dadurch war das Konzert am Ende mit ca. 95 Minuten auch relativ kurz. Vermutlich wollte Jarre schnellstmöglich wieder in kühle Räumlichkeiten... ;-)
Auch der unvermeidliche Above & Beyond-Remix von "Zero Gravity" durfte nicht fehlen. Dem Vernehmen nach hatte es zu Beginn der Tour Probleme mit den Videoeinspielungen gegeben und es wurden z.B. falsche Videos zu den Stücken abgespielt. In Modena war davon nichts zu merken, hier lief alles perfekt ab.
Mit "Industrial Revolution 2" ging es dann weiter. Hierbei kamen nochmal ordentlich Laser zum Einsatz. Großflächig wurde der Platz in Laserflächen und rotes Licht getaucht. Leider spielt Jarre ja nur diesen kurzen Part und nicht die ganze "Industrial Revolution"-Suite. Anschließend sprach Jarre darüber, dass wir vor Fortschritt und Technik keine Angst haben sollten. Technik könne auch poetisch und organisch sein. Er rief dazu auf, keine Angst vor künstlicher Intelligenz zu haben. Wie immer sei die Technik selbst neutral und es käme immer darauf an, wie wir sie verwendeten. Als Künstler sei KI für ihn eine Erweiterung seiner Vorstellungskraft. Sein Konzertspektakel sei mit viel Hilfe von KI realisiert worden, vor allem der visuelle Teil. Und noch sei es nicht so weit, dass Roboter weinen würden...
Stattdessen tanzten die Roboter nun bei "Herbalizer" auf den Bildschirmen. Vor der Bühne und in den Gängen hatten sich inzwischen auch zahlreiche Fans eingefunden, die lieber tanzen und sich bewegen wollten als zu sitzen und es wurden ständig mehr. Die Stimung dort war auf jeden Fall sehr gut.
Mit "Oxygene 19" wurde es dann etwas ruhiger aber auch hier ergänzten die Laser das projizierte Innere von Notre Dame auf den Leinwänden. Fast übergangslos wurde es dann wieder hektischer und tanzbarer mit "Exit", allerdings ohne den von Edward Snowden gesprochenen Part, sondern nur instrumental. Hier wurde so ziemlich alles an Licht und Lasern rausgehauen was ging. Zwischendurch lugte Jarres Auge in die Kamera und wurde groß auf die Leinwände geworfen: Big Brother Is Watching You.
Nun folgte das Mashup aus "Glory" und "Equinoxe 4" und die "Watcher" erschienen auf den LED-Wänden. Dieser Klassiker sorgte natürlich für Begeisterung bei den Fans, die vor der Bühne ihren Spaß hatten und natürlich auch beim restlichen Publikum.
Mit "Brutalism" folgte dann ein etwas "härterer" Track vom "Oxymore"-Album, optisch mit ziemlich genialer Licht- und Lasershow untermalt.
Beim "Oxygene 4"-Remix erschienen wieder die Unterkörper tanzender KI-Figuren als Projektionen. Auch Jarre selbst vollführte wieder mit seinen Füßen einen wilden Tanz, der dann auch in Großaufnahme auf den Screens gezeigt wurde. Sicherlich für ihn der "schweißtreibendste" Track!
Mit "Epica" folgte ein weiteres Stück von "Oxymore". Hier war der visuelle Part im Vergleich zum Vorjahr komplett überarbeitet worden. Statt der "geisterhaften" Tänzerin, sah man nun eine Nahaufnahme Jarres, die mittels Live-KI bearbeitet wurde. Er verwandelte sich auf den Bildschirmen so schnell in so viele verschiedene Gestalten, dass man es kaum erfassen konnte. Dazu feuerten Scheinwerfer und grüne Laser über die Köpfe des Publikums.
Nahtlos ging es dann weiter mit "Stardust". Auch wenn man die Tracklist und größtenteils auch die visuelle Seite der Show schon vom letzten Jahr kannte, muss man doch sagen, dass es immer wieder ein Erlebnis ist, Jarre live zu sehen. Die ganze Atmosphäre, die Umgebung (in diesem Fall mit dem Palazzo Ducale neben dem Platz), der Himmel, in den die Laserstrahlen schießen... Und natürlich Jarre selbst, der auf der Bühne alles gibt. Kein Videoclip der Welt kann das auch nur annähernd transportieren!
Damit war offizielle Teil des Konzert beendet. Jarre bedankte sich und sagte, nachdem alle ihn nun den ganzen Abend gefilmt hätten, sei er nun dran! Er bat das Publikum, die Handyleuchten anzumachen und filmte nun seinerseits das Publikum. Schließlich fragte er die Besucher, ob sie noch etwas Spaß haben wollten. Natürlich wollten sie.
Und somit gab es dann noch "Magnetic Fields 2" und "Rendez-Vous 4" als Zugaben. Und dann war das Konzert auch schon vorbei... Das Publikum jubelte, Jarre formte mit beiden Händen ein Herz und rief: "Ihr seid die Besten!". Immer wieder zeigte er auch auf einzelne Fans, die er im Publikum erkannte. Er versprach, bald wieder zu kommen und fragte, ob er das schon im nächsten Jahr wieder tun solle. Für das Publikum gab es da natürlich nur eine Antwort...
Wie wir gehört hatten, wartete auf Jarre nun in seinem Hotel noch ein Empfang für ein paar VIP-Gäste des Konzerts. Schließlich bildete dieser Abend auch den Abschluss der Sommer-Tour 2026. Wir waren froh, dass wir nach der Hitze nun keinen Empfang mehr absolvieren mussten, sondern in unsere klimatisierte Unterkunft gehen konnten. Auf dem Weg nach draußen tauschten wir uns noch mit ein paar anderen deutschen Fans aus, die ebenfalls begeistert waren.
Wer Tickets für das Konzert im Oktober in Amsterdam ergattern konnte, darf sich nun darauf freuen, alle anderen müssen wohl bis zum nächsten Jahr warten...
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Kommentar von Matthias |
Hallo Dominique,
wir haben andere Tickets bekommen. War ein wenig nervenaufreibend so kurzfristig, aber es hat dann nach Kommunikation mit dem Veranstalter geklappt.
Und ja, wir werden auch beim ADE dabei sein.
Kommentar von Dominique |
Danke für die umfangreiche Berichterstattung und die tollen Fotos. Hatte es eigentlich noch mit den ursprünglichen Tickets geklappt, Matthias? Und wird auch Jarrelook beim ADE sein?